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Das Bert-Bolle-Barometer

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Die ältesten Barometer
Die ersten Schritte 1985
Die Einkaufsliste
Wie das Wasserbarometer funktionierte
Das Guinness-Book-of-Records-Zertifikat
Das Barometermuseum in den Niederlanden
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Das Wasserbarometer in der Halle des Barometermuseums in der Niederlande, ungefähr 1990.

Bert und Ethne Bolle zogen sich 1999 zurück, verließen die Niederlande und wanderten nach Westaustralien aus, wo sie in der Nähe von Denmark ein wunderschönes Plätzchen mit unverfälschter Umgebung fanden. Bert ist ein Schriftsteller und Ethne eine Kunstmalerin.


Ethne und Bert Bolle im Jahr 2005

In den letzten 12 Jahren vor ihrer Migration verwalteten sie das Barometermuseum in ihrem Landhaus aus dem 18. Jahrhundert bei Maartensdijk in der Mitte der Niederlande. Der Hauptanziehungspunkt in ihrem Museum war ein riesiges Wasserbarometer in der Haupthalle. Das 12 Meter hohe Instrument wurde als das größte Barometer in der Welt durch das “Internationale Guinness Book of Records” anerkannt. Bert, der das Instrument selbst entworfen und errichtet hatte, wollte sich trotz Auswanderung nicht von seiner Kreation trennen, also musste das Barometer die Reise nach Australien mitmachen. Es wurde im Barometerturm des neuen “Denmark Visitor Centre” zu neuem Leben erweckt.

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Die ältesten Barometer

Das genaue Datum der Entdeckung des Barometers sowie der Name des Erfinders sind Anlass zu Debatten. Der Grund dafür ist, dass das Barometer in seiner Originalform nicht als Wettervorhersage-Instrument erfunden wurde. Ursprünglich wurde es als ein wissenschaftliches Instrument entwickelt, um das Bestehen eines Vakuums zu prüfen und, in einem späteren Stadium, um Veränderungen des Gewichtes der Luft zu verfolgen. Das heißt, es wurde nicht mit der Absicht auf ein einzelnes Ziel erfunden, so wie es beim Radio oder Fernsehen der Fall war, um nur elektronische Signale zu empfangen.

Bereits geraume Zeit rangen die Gelehrten mit der Lehre des griechischen Philosophen Aristoteles, der 384-322 vor Christus gelebt hatte. Diese Lehre war Jahrhunderte lang von der übermächtigen Kirche interpretiert worden. Nun begannen Gelehrte an der uralten Idee zu zweifeln, dass es keinen luftleeren Raum geben könne. Warum sollte das nicht möglich sein, fragte man. Wie schon öfter bei wichtigen Entdeckungen half ein Vorkommnis des alltäglichen Lebens ein wenig nach. In den Palastgärten bei Florenz war man um das Jahr 1635 damit beschäftigt, prächtige Wasserspiele anzulegen. Zu diesem Zweck musste das Wasser aus einem tiefen Brunnen hochgepumpt werden. Man installierte eine Saugpumpe, musste jedoch rasch feststellen, dass das nach oben gezogene Wasser in der langen Röhre nicht höher als etwa 18 florentinische Ellen (das entspricht etwa zehn Metern) gelangte, da über dem Wasser ein luftleerer Raum entstand. Wie kräftig auch gepumpt wurde, das Wasser blieb im Brunnen. Jetzt fragte man den berühmten Naturforscher Galileo Galilei, der sich durch seine »modernen« Ideen schon manchen Gegner geschaffen hatte, um Rat.

Auch Galilei war noch viel zu sehr der alten Lehre des Aristoteles verhaftet, um den luftleeren Raum naturwissenschaftlich erklären zu können. Dass die Wassersäule in der Röhre der Pumpe durch das Gewicht der Luft hoch gedrückt wurde, welches auf der Wasserfläche unten im Brunnen lastete, kam Galilei nicht in den Sinn. Wohl kannte er die These, dass Luft Gewicht haben müsse, aber zu weiteren Schlüssen gelangte er nicht. Doch kannte Galilei andere mit diesem Problem beschäftigte Forscher wie Gaspar Berti in Rom, und 1639 wurde mit ernsthaften Experimenten begonnen, um zu versuchen, ein Vakuum zu erzeugen. Dazu wurde ein Gerät von etwa 35 Fuß (11 Meter) Höhe mit Wasser gefüllt.

Galileos Nachfolger für den Posten als Gerichtswissenschaftler des Herzogs von Toskana war Evangelista Torricelli. Er fand die Notizen seines Vorgängers und Lehrers und führte die Experimente fort. Es scheint, dass er zwar bei seinen anfänglichen Versuchen Wasser einbezog, dass es aber sein Ziel war, nicht nur ein Vakuum zu erzeugen, sondern zu prüfen, dass Luftdruck für die Unterstützung der Wassersäule verantwortlich war. Torricelli war der erste, der versuchte, “ein Instrument zu schaffen, das die Veränderung der Luft anzuzeigen vermochte, manchmal schwerer und dichter, dann wieder leichter und feiner”.1644 entdeckte Torricelli, dass er seine Experimente mit Quecksilber bequemer als mit Wasser durchführen konnte, obgleich Wasser noch von anderen Wissenschaftlern mehrere Jahrzehnte lang benutzt wurde. Blaise Pascal richtete ein Wasserbarometer in Rouen in Frankreich 1646 auf und Otto von Guericke, der Bürgermeister von Magdeburg in Deutschland, brachte eines neben seinem Haus um 1654 an. In England experimentierten Wissenschaftler wie Robert Hooke und Robert Boyle mit ähnlichen Instrumenten in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts.

Nach 1670 hatte das komplizierte Wasserbarometer der Quecksilberröhre nachgegeben. Es gab einige Wasserbarometer, die von den Wissenschaftlern während der folgenden Jahrhunderte hergestellt wurden, aber diese Instrumente waren selten. Ungefähr 1880 gab es ein Wasserbarometer in London, aber seit damals schien das Instrument ausgestorben zu sein, bis Bert Bolle sich 1985 entschied, eines für das Barometermuseum, das er beabsichtigte mit seiner Frau Ethne zu gründen, zu entwerfen und zu errichten.

     
Links: Berti’s Vakuumexperiment von 1639 in Rom.
Mitte: Blaise-Pascal-Barometer von 1646 in Rouen, Frankreich.
Rechts: von Guerickes Wasserbarometer von circa 1654 in Magdeburg..

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Die ersten Schritte 1985

1978 hatte Bert Bolle ein Buch mit dem Titel “Barometers” geschrieben, das 1980 in deutscher (Titel: “Alte Barometer”) und englischer Sprache erschien. Drei Jahre später schrieb er eine wissenschaftliche Fortsetzung zu seinem ersten Buch und erfand einige Modifikationen in Quecksilberbarometersystemen. 1984 sprach Berts Frau Ethne erstmals über ein Barometermuseum in ihrem Landhaus aus dem 18. Jahrhundert. Bert nahm sich einige Zeit, um nachzudenken und im folgenden Jahr meinte er, dass die Zeit nun reif wäre, der Idee Gestalt zu geben. Sein Ziel war es, eine Sammlung zusammenzustellen, die auf Leihgaben von Barometern privater Sammler und Museen in den Niederlanden basierte. Um diese Leihgaben zu erhalten, sollte eine massive Werbekampagne das beste Hilfsmittel sein. Wissend, dass die Presse nicht gerade durch ein “Luftschloss” zu beeindrucken wäre, entschloss sich Bert, zunächst ein Gerät zu bauen, das imposant und bestimmend der Mittelpunkt des Barometermuseums sein sollte. Als er seine Barometerbücher schrieb, war er von den Pionieren des 17. Jahrhunderts mit ihren sehr großen Instrumenten beeindruckt und durch sie angespornt worden. Er wollte zu gerne sein eigenes Wasserbarometer herstellen! Das alte Landhaus hatte drei Stockwerke mit reichlicher Höhe und über der Mitte der Haupthalle bot sich der höchste Punkt des Gebäudes: eine verbleite Glaskuppel, deren Oberteil sich in 12 Meter Höhe über dem Hallenfußboden befand. Eine perfekte Umgebung für solch ein enormes Instrument.

Obwohl es keine Literatur gab, wie man selbst ein Wasserbarometer baut, kannte Bert die Details, wie sie in den ehemaligen Jahrhunderten errichtet wurden. Außerdem hatte er den Vorteil der Technologie des 20. Jahrhunderts, der es ihm ermöglichte, von den Bleirohren abzusehen, die früher benutzt wurden. Schott Ruhrglas in Deutschland stellte schöne starke Glasrohre in jeder möglichen Größe her und konnte auch ein sehr großes Glasgefäß liefern. Anstatt das Barometer von der Oberseite zu füllen, konnte eine moderne Zentrifugal-Vakuumpumpe benutzt werden. Timer-Relais der Pumpe würden das Wasser wechselnd im Rohr sinken oder steigen lassen und so weiter. Es gab ein kalibriertes digitales Barometer mit extrem hoher Genauigkeit auf dem Markt, um die Messwerte von der Wasserbarometer-Registerplatte zu überprüfen. Jener moderne Segen spornte Bert an, seine Idee fortzuführen.

Nach einer langen Untersuchungszeit konnte Bert anfangen, das Barometer zu entwerfen. Zunächst fertigte er Skizzen und Zeichnungen von Hand an, später benutzte er seinen Apple Macintosh-Computer. Es ist erstaunlich, wie hoch entwickelt die grafischen Mac-Programme bereits 1985 waren.


Skizzen, Ideen, Zeichnungen, Pläne.

Unterdessen wurde die Barometermuseumsstiftung gegründet, ein Empfehlungskomitee eingesetzt, bestehend aus Kuratoren in den Niederlanden und im Ausland, Wissenschaftler aus der Barometerwelt und nicht zuletzt dem ehemaligen Ministerpräsidenten der Niederlande, Piet de Jong. Es war Zeit, eine “Einkaufsliste” für das Wasserbarometer zusammenzustellen.

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Die Einkaufsliste

Bert Bolle wählte ein 90 Millimeter Glasrohr, das aus vier Teilen bestand, aneinandergesetzt sollten sie an einer großen Eichenplanke von 9 Metern Höhe befestigt werden. Die oberen drei Meter der Hinterplatte sollten aus Plexiglas hergestellt sein. Ein Glasgefäß von 60 cm Durchmesser sollte 150 Liter Wasser halten, genug, um das Barometer funktionieren zu lassen. Das Holz für solch eine enorme Planke zu finden war das erste Problem. Glücklicherweise kannte Bert einen Holzhändler, der gerade einem holländischen Schiffsbauer extrem lange Planken aus französischer Eiche geliefert hatte. Dem Holzhändler gelang es, zwei Blätter zurückzukaufen, und bot an, die Planke entsprechend dem Entwurf zu bearbeiten. Schott Ruhrglas in Deutschland kam mit einem großzügigen Angebot für die Rohre und das Gefäß. Schließlich hatte Bert seine “Einkaufsliste” fertig:

Eine französische Eichenplanke, ungefähr 9 m lang, 40 cm breit, 40 mm dick und 1 m an der Unterseite breit.
Eine obere Stahlabdeckung für die oben erwähnte Planke.
Ein Pyrex Glasgefäß hergestellt von Schott, Deutschland, 60 cm Durchmesser.
Ein Pyrex Glasdeckel von 12 Millimeter Stärke, für das Glasgefäß in zwei Teilen.
Eine Gummidichtung für die Gefäßabdeckung.
Ein analoges und ein digitales Thermometer für das Glasgefäß.
Ein Aluminiumständer für das Glasgefäß.
Ein Ringkragen mit Eiche versehen, um den Stand des Glasgefäßes rundherum zu festigen.
Vier Pyrex Glasrohre, 9 cm in Durchmesser, drei von ihnen 3 m lang, eine 2,50 m lang.
Eine Pyrex Glaskappe für das höchste Rohr.
Vier Aluminiumbefestigungssätze mit Ringen für die Flansche der Glasrohre.
Ein Stahlhaltewinkel, um das Rohrsystem zu halten.
Verschiedene kleine Edelstahlteile, z.B. Schraubbolzen, Unterlegscheiben und Ringe.
Eine transparente Plexiglasplatte von 3 m Länge, ungefähr 40 cm breit und 25 mm dick.
Zwei Plexiglashaltewinkel, 25 Millimeter dick.
Eine 6 mm dicke weiße Plexiglasregisterplatte, dieselbe Größe wie die Plexiglasplatte oben.
Eine Zentrifugal-Vakuumpumpe, hergestellt von Leybold Heraeus, Deutschland.
Ein Secuvac Sicherheitsventil, hergestellt von Leybold Heraeus, Deutschland.
Ein Wasser-Sicherheitsgerät.
Ein computergesteuerter Mehrkanaltimer.
Eine Kamera plus Monitor.
Ein Relaiskabinett.
Verschiedene Kabel.

Viel Geld wurde gespart, weil Bert vieles selbst erledigen konnte und es einige gute Freunde gab mit helfenden Händen. Insgesamt kostete es 600 Arbeitstunden, um das Barometer zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Glücklicherweise versuchten die Firmen, die die Materialien lieferten, der Barometermuseumsstiftung mit Preisnachlässen zu helfen, aber dennoch wurden Spenden von über 10.000 holländischen Gulden benötigt. Heutzutage, falls das Barometer komplett neu aufgebaut werden sollte, würden alle Materialien zwischen 15.000 und 20.000 australischen Dollar kosten, hierbei nicht berücksichtigt die Arbeitsstunden und die Tatsache, dass die deutsche Glasfabrik die Produktion ihrer speziellen industriellen Pyrex Glasrohre und -gefäße in den nächsten Jahren einstellen wird.

Ab Mitte 1985 wurden alle Materialien erworben und für ihren abschließenden Gebrauch vorbereitet. Im November desselben Jahres wurde das Barometer aufgerichtet und hatte seinen ersten Probelauf.


Arbeiten an einem Gestell, 10 Meter über dem Boden.

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Wie das Wasserbarometer funktionierte

Ein Mikroprozessor regulierte die Vakuumpumpe, die an das obere Ende des Wasserbarometers durch ein kupfernes Rohr angeschlossen war. In 10-Minuten-Abständen wurde die Vakuumpumpe angeschaltet und die Luft aus dem 11,5 Meter langen Glasrohr evakuiert. Dies bewirkte, dass sich das mehr als 12 Meter hohe Instrument innerhalb von zwei Minuten mit 55 Litern Wasser füllte. Messwerte konnten dann auf dem zweiten Stockwerk des Museums genommen werden. Nach fünf Minuten wurde Luft im Rohr langsam zugelassen, damit das Wasser in das Gefäß in drei Minuten zurückfloss. Dann wurde wieder ein Vakuum erzeugt und so weiter.


Das Rohr führte durch die Balustrade im ersten Stockwerk, bevor es die verbleite Glaskuppel erreichte

Besucher, die die Messwerte ablesen wollten, mussten zunächst eine 10 Meter hohe Treppe ersteigen. Zum Schluss erreichten sie eine Plattform im Dachboden, direkt über der verbleiten Glaskuppel. In der Nähe der Plattform wurde die hölzerne Planke durch eine Plexiglasplatte fortgesetzt. Dort gab es eine Tafel, auf dem der Vakuumpumpen-Zyklus erklärt und die Wassertemperatur im Gefäß auf einem Display gezeigt wurde.


Wo die Eichenplanke die Plexiglasplatte traf..

Die weiße Plexiglas-Anzeigeplatte hatte zwei Skalen: Zentimeter über dem Wasser im Gefäß und Millibar oder Hektopascal. Auf der Erklärungstafel wurde eine Faustregel gegeben, wie die Wassertemperatur korrigiert wird. Wasserdampfdruck verringert den tatsächlichen Messwert und diese Falschanzeige erhöht sich mit Temperatur.


Die Plattform über der verbleiten Glaskuppel.

Alle 10 Minuten konnten Besucher ein interessantes Phänomen beobachten, wenn sie den Aufstieg zur Kuppel unternahmen. In dem Augenblick, wenn das Wasser seinen höchstmöglichen Punkt im Rohr erreichte, hatte sich der Luftdruck über dem Wasser so drastisch gesenkt, dass das Wasser anfing spontan zu kochen, obgleich seine Temperatur gerade ungefähr 20 Grad betrug! Dieses ‘kalte Kochen’ wurde durch Luftblasen verstärkt, die sich in der Wassersäule bildeten. Sobald die Pumpe stoppte, um das Rohr zu entleeren, wurde der Wasserspiegel innerhalb ein paar Sekunden ruhig und ermöglichte so den Besuchern, einen korrekten Messwert abzulesen.

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Das Guinness-Book-of-Records-Zertifikat

Als das Riesenbarometer gebaut war, konnten Presseerklärungen an die Medien geschickt werden, um die Museumspläne und die Bitten um Leihgaben zu verkünden. Innerhalb weniger Monate gab es genug alte Barometer, die als Leihgaben angeboten wurden, um die Vitrinen und Wände einzurichten. Unterdessen meldete Bert Bolle seinen Anspruch an, das größte Barometer in der Welt hergestellt zu haben. Nachdem das Internationale Guinness Book of Records den Anspruch anerkannt hatte, hatte Bert wieder eine Pressemitteilung zu verschicken...


Dieses Zertifikat hing stolz zwei Meter über dem Wassergefäß.

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Das Barometermuseum in der Niederlande

Im Mai 1987 öffnete das Barometermuseum seine Türen. Verkehrsministerin Frau Neelie Smit als Repräsentantin des königlichen holländischen meteorologischen Instituts war eingeladen, das Barometermuseum zu eröffnen. Sie goss symbolisch einen letzten Eimer Wasser in das Gefäß, zusammen mit Bert und Ethne Bolles Tochter Puck. 200 Gäste sahen das herrliche Steigen der 55 Liter Wasser.

 
Links: Ministerin Neelie Smit und Puck Bolle eröffnen das Barometermuseum im Mai 1987.
Rechts: Ehemaliger Ministerpräsident der Niederlande Piet de Jong mit Bert Bolle und Ministerin Neelie Smit.

Die Eröffnung wurde im holländischen Nationalfernsehen in der Nachrichtensendung und in einem touristischen Programm ausgestrahlt. Über das Museum, insbesondere über das Wasserbarometer, wurde in den folgenden zwölf Jahren seines Bestehens immer wieder im Nationalfernsehen berichtet.

    
Links: Fernsehteam der holländische Nachrichtensendung kurz vor der offiziellen Eröffnung des Museums.
Mitte: Japanische Fernsehleute, die den Repräsentanten des internationalen Guinness Book of Records bei der Übergabe des Zertifikats an Bert Bolle filmen.
Rechts: Amerikanisches Fernsehen für ein Interview im Museum.

Da das Barometermuseum nur 10 Kilometer von den holländischen Radio- und Fernsehstudios entfernt war, war es deshalb ein erwünschter Platz für die Moderatoren der Wetterprogramme. Alle weithin bekannten Wettermänner des holländischen Fernsehens waren regelmäßige Gäste im Barometermuseum. Bert war mit dieser Werbung glücklich, da sie mehr Besucher anlocken würde. Natürlich lehnte er dieses Mittel nie ab und brauchte nicht überzeugt zu werden, wenn er gebeten wurde, an einer solch leichtherzigen Werbung teilzunehmen, selbst wenn viele Stunden harte Arbeit nur einige Sendeminuten im Fernsehen erbringen würden. Als das Museum schloss, hatten Bert und Ethne über 90 Quadratmeter Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln in ihrem Archiv!

    
Links: Wettermann Peter Timofeeff im Kalibrierungsraum des Museums.
Mitte: Bert gießt Wasser über eine Schauspielerin für einen “Running Gag” eines Wetterprogramms.
Rechts: Der sehr bekannte Wettermann Erwin Kroll erklärt im holländischen Fernsehen, wie das Wasserbarometer arbeitet.

Es gab Hunderte von Barometer, Thermometer, Hygrometer und Wetterhäuser im Museum. Die meisten Barometer waren Quecksilberinstrumente, hauptsächlich englische, holländische und französische Geräte, die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Es wurde um ein bescheidenes Eintrittsgeld gebeten und es gab einen Museumsshop. Die Hauptattraktion war selbstverständlich das Wasserbarometer. Kinder rannten die Treppe auf und ab, um das steigende und fallende Wasser in der Säule zu verfolgen. Es kamen auch Gäste, um das Gebäude aus dem 18. Jahrhunderts zu sehen. Sie hatten das alte Landhaus schon so häufig gesehen, wenn sie einen Ausflug durch diese Landschaft der Niederlande machten und hatten nun die Möglichkeit, das Gebäude auch von innen anzuschauen.

Jedes Ausstellungsobjekt im Museum erhielt eine Beschreibung und es gab Führer in verschiedenen Sprachen. Viele “Extras” wurden präsentiert, z.B. einen Apple Macintosh-Rechner, verbunden mit dem königlich holländischen meteorologischen Institut. Es zeigte das Regenradar der Niederlande, welches ein einzigartiges Novum am Ende der Achtziger Jahre war. Das Museum hatte ein hochpräzises digitales Barometer gekauft, das von Vaisala in Finnland hergestellt wurde. Das Barometer verfügte über zwei Anzeigen: eines im Museum, das andere im Kalibrierungsraum der Werkstatt, in dem alte Barometer restauriert und neue hergestellt wurden. Die Bolle-Familie beschäftigte über 10 Handwerksleute, um alle fachmännischen Arbeiten zu erledigen.

Bert und Ethne organisierten regelmäßig Themen-Ausstellungen, z.B. über Paulus Wast, einen berühmten holländischen Barometerhersteller. Das teuerste Quecksilberbarometer, das überhaupt in der Welt verkauft wurde, wurde von Wast hergestellt und war Höhepunkt dieser Ausstellung. Einige Jahre später wurde eine Wetterhausausstellung präsentiert. Im Museumsshop waren hierzu 50 verschiedene Modelle erhältlich und jeder Besucher hatte die Möglichkeit, glücklich eines nach Hause zu tragen. Über 2.000 Leute besuchten die Ausstellung und Bert schrieb ein Büchlein über Wetterhäuser.

  
1993 zog die Ausstellung mit alten Wetterhäusern viele Besucher an.
Wenn der große Parkplatz überfüllt war, wurde sogar der Rasen benutzt.

1997 brachte das Umweltministerium einen Gesetzentwurf heraus, nachdem Quecksilber in neu hergestellten Barometern untersagt wäre. Ab 1999 wäre es sogar verboten, neue Quecksilberbarometer herzustellen oder solche zu verkaufen. Dies war eine ernsthafte Bedrohung für Bert und seine Handwerker, die fast 10% des gesamten industriellen Quecksilbers in den Niederlanden benutzten. Wenn das Gesetz angenommen würde, wären die Werkstatt und das Museum dazu verdammt gewesen, zu schließen. Es gäbe keinen Ausgleich für die Bolle-Familie und ihre Glasbläser. Natürlich rief Bert das Gesetz an und kämpfte wie verrückt. Er suchte die Publizität und näherte sich den meisten Parlamentsmitgliedern, aber das neue Gesetz schien unvermeidlich zu sein. Für Bert und Ethne, die bereits ernste Absichten hatten, in ein anderes Land abzuwandern, waren die bizarren Pläne des Umweltministeriums der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sie gingen in ein Migrationsbüro, um sich über die Umsiedlung nach Australien zu informieren und leiteten ersten Schritte ein, um den Antrag auf ein Dauervisum zu stellen.

Im April 1998, als die Wahrscheinlichkeit, das Antiquecksilbergesetz zu verhindern minimal geworden war, hatten Bert und Ethne einen sehr wichtigen Gast: Ihre Majestät Königin Beatrix der Niederlande. Sie schaute sich ausführlich im Museum um und zu guter letzt verweilte sie noch auf eine Tasse Kaffee. Die Königin beabsichtigte, ein Quecksilberbarometer zu kaufen, aber Bert erklärte ihr das Antiquecksilbergesetz, das bald kommen würde. Königin Beatrix war entsetzt, denn sie war völlig ahnungslos, dass sie als Königin ihre Unterschrift unter ein Gesetz setzen sollte, das sogar den Kauf verbieten würde! Sie sagte Bert und Ethne mit diplomatischen Worten, sie denke auch, dass die neue Maßnahme ein wenig übertrieben wäre, aber sie könne selbstverständlich nichts versprechen. Irgendwie muss sie wohl auf höherer Ebene etwas getan haben, denn nur einen Monat später wurde das Antiquecksilbergesetz plötzlich auf 2006 verschoben, trotz der ziemlich negativen Aussichten. So hatte Bert schließlich doch Erfolg, aber für ihn und Ethne kam es zu spät, sie hatten sich bereits entschieden, die Niederlande definitiv zu verlassen. Sie offerierten ihr Landhaus und verkauften es innerhalb einer Woche.

Das Barometermuseum schloss im Oktober 1998. In den 12 Jahren seines Bestehens hatte es mehr als 150.000 Besucher, ziemlich viel für ein kleines privates Museum, das immer ohne Subventionen arbeiten wollte. Die letzten Seiten im Gästebuch sprudelten über mit emotionalen Anmerkungen der Besucher über den Verlust dieses kleinen Museums, das sie so sehr geliebt hatten, dieses Hauses voller Geschichte und mit königlichem Touch, mit all den schönen Blumenarrangements, die von Ethne zusammengestellt wurden.

  
Links: Beatrix, Königin der Niederlande, neben Bert, Ethne und Tochter Puck.
Rechts: Ethne mit ihrem Blumenarrangement für den königlichen Besuch.

Es war ein rührendes und großartiges Finale einer wundervollen Zeit, die Bert und Ethne in ihrem Museum erlebt haben, mit Königin Beatrix als ihr letzter wichtiger Gast.

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